Immer mehr Lehrkräfte verlassen Brandenburgs Schulen

Eine Kleine Anfrage des BSW-Landtagsabgeordneten Sven Hornauf zeigt: Immer mehr Lehrkräfte beenden freiwillig ihre Tätigkeit im brandenburgischen Schuldienst. Besonders auffällig ist der hohe Anteil der 30- bis 45-Jährigen. Auch die Märkische Oderzeitung hat die Ergebnisse aufgegriffen und ausführlich darüber berichtet.

Der Lehrermangel gehört seit Jahren zu den größten Herausforderungen für Brandenburgs Schulen. Mit einer Kleinen Anfrage wollte der Landtagsabgeordnete Sven Hornauf wissen, wie viele Lehrkräfte den Schuldienst durch eigene Kündigung, Aufhebungsvertrag oder auf eigenen Antrag verlassen haben.

Die Antwort des Bildungsministeriums bestätigt eine besorgniserregende Entwicklung: Im Schuljahr 2024/2025 kündigten 104 unbefristet beschäftigte Lehrerinnen und Lehrer ihren Arbeitsvertrag selbst. Im Zeitraum 2021/2022 waren es noch 50 gewesen. Damit hat sich die Zahl innerhalb weniger Jahre mehr als verdoppelt.

Besonders schwer wiegt, dass viele der ausscheidenden Lehrkräfte erst zwischen 30 und 45 Jahre alt sind. Im Schuljahr 2024/2025 gehörten 46 der 104 kündigenden Pädagogen dieser Altersgruppe an. Im Schuljahr 2021/2022 waren es 21. Damit verlassen zunehmend Menschen die Schulen, die noch mehrere Jahrzehnte unterrichten könnten.

Auch mehr Aufhebungsverträge

Neben den Eigenkündigungen wurden im Schuljahr 2024/2025 insgesamt 100 Arbeitsverhältnisse durch Aufhebungsverträge beendet. Davon betrafen 32 Fälle Lehrkräfte im Alter zwischen 30 und 45 Jahren.

Hinzu kommen verbeamtete Lehrerinnen und Lehrer, die selbst ihre Entlassung beantragten. Im Schuljahr 2024/2025 waren dies 43 Personen, darunter 32 im Alter von 30 bis 45 Jahren. Die Zahlen zeigen, dass freiwillige Abgänge keineswegs nur kurz vor dem Ruhestand stattfinden.

„Die Lehrkräfte stimmen mit den Füßen über ihre Arbeitsbedingungen ab“, erklärte Sven Hornauf gegenüber der Märkischen Oderzeitung. Die Zeitung griff die Ergebnisse der Kleinen Anfrage auf und berichtete über die wachsende Zahl insbesondere jüngerer Pädagogen, die den brandenburgischen Schuldienst verlassen.

Ministerium kennt die Gründe nicht

Das Bildungsministerium räumt in seiner Antwort ein, dass sich der Anteil der freiwillig ausscheidenden Lehrkräfte erhöht hat. Die Motive für Kündigungen, Aufhebungsverträge oder Entlassungen aus dem Beamtenverhältnis werden jedoch statistisch nicht erfasst.

Auch zu ausgelaufenen befristeten Verträgen, möglichen Weiterbeschäftigungen und den geleisteten Überstunden der angestellten Lehrkräfte konnte das Ministerium keine statistischen Angaben machen.

Gleichzeitig bestätigt die Landesregierung, dass jede ausscheidende Lehrkraft bei der Absicherung des Unterrichts fehlt. Ersatz zu finden, sei aufgrund der angespannten Arbeitsmarktsituation insbesondere in berlinfernen Regionen schwierig.

Für Sven Hornauf verschärfen die freiwilligen Abgänge den bestehenden Lehrermangel zusätzlich. Weniger Personal führt zu steigender Belastung, mehr Vertretungsunterricht und weiteren Überstunden. Die Landesregierung müsse deshalb nicht nur die Zahl der Abgänge registrieren, sondern die Ursachen genauer untersuchen und wirksame Maßnahmen ergreifen, damit qualifizierte Lehrkräfte dauerhaft an Brandenburgs Schulen bleiben.


Foto: Die Märkische Oderzeitung berichtet über das Problem. (Foto-Copyright: Julian Stratenschulte/dpa)


Wortlauf der Kleinen Anfrage
Wortlaut der Antwort der Landesregierung