Hausarztmangel in Frankfurt (Oder)

Landesregierung sieht derzeit keinen Handlungsbedarf

Die Sorge vieler Frankfurter um ihre hausärztliche Versorgung wächst. Hintergrund ist, dass nach Angaben des Landtagsabgeordneten Sven Hornauf (BSW) in diesem Jahr mehrere Hausärzte in den Ruhestand gehen. Von sieben geplanten Praxisaufgaben habe bislang nur eine einen Nachfolger gefunden. Allein 2026 könnten dadurch fünf Hausarztpraxen in Frankfurt (Oder) wegfallen.

Für viele Bürger ist die Situation bereits heute angespannt. Zahlreiche Praxen nehmen keine neuen Patienten mehr auf. Besonders ältere Menschen, deren langjähriger Hausarzt seine Praxis schließt, stehen vor der Frage, wer künftig ihre medizinische Grundversorgung übernimmt. Über entsprechende Einzelschicksale hatte zuletzt auch die Märkische Oderzeitung berichtet.

Hornauf kritisiert, dass sich die zuständigen Stellen vor allem auf statistische Versorgungszahlen berufen, während die tatsächlichen Probleme vieler Patienten vor Ort immer deutlicher sichtbar würden. Nach seiner Auffassung droht Frankfurt (Oder) eine Versorgungslücke, lange bevor die offiziellen Kriterien für eine Unterversorgung erfüllt sind.

Die Landesregierung teilt diese Einschätzung derzeit nicht. In ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage verweist sie auf den Versorgungsgrad im Mittelbereich Frankfurt (Oder), der Ende 2025 bei 86,8 Prozent lag. Damit liege die Region deutlich über der gesetzlichen Schwelle von 75 Prozent, ab der offiziell von einer Unterversorgung gesprochen werden kann. Gleichzeitig räumt die Landesregierung ein, dass die Aufnahmekapazitäten der Hausarztpraxen nur noch sehr begrenzt sind.

Konkrete Sofortmaßnahmen kündigt die Landesregierung nicht an. Zuständig für die Sicherstellung der ambulanten Versorgung sei in erster Linie die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB). Diese habe inzwischen eine Werbekampagne gestartet, um neue Hausärzte für den Standort Frankfurt (Oder) zu gewinnen. Sollte sich die Versorgungslage deutlich verschlechtern, könnten zudem besondere Förderprogramme für Praxisübernahmen oder Neugründungen aufgelegt werden.

Für viele Betroffene bleibt die Lage dennoch ungewiss. Während die offiziellen Statistiken derzeit noch keine Unterversorgung ausweisen, berichten immer mehr Patienten von Schwierigkeiten, überhaupt einen Hausarzt zu finden. Die eigentliche Herausforderung besteht daher nicht nur in den Versorgungszahlen auf dem Papier, sondern in der Frage, ob die Menschen vor Ort auch tatsächlich einen Arzt finden, der sie künftig behandelt.

Die Kleine Anfrage im Wortlaut

Die Antwort der Landesregierung im Wortlauf